Unsere Unterkunft entpuppte sich als Basislager für Touristen, die von hier aus vermutlich Tagestouren in die Innenstadt Tokios unternahmen. Die Herberge hatte sich aufgrund der Vielzahl westlicher Besucher auf deren Gepflogenheiten eingestellt und bot das Frühstück bis 11 Uhr an. Das passte uns gut in den Kram, denn für heute stand Ausschlafen auf dem Programm.

Nachdem der erste Tagesordnungspunkt erledigt war und wir gefrühstückt hatten, stand ein Museumsbesuch an. Es waren 29 Grad Celsius, mit extremer UV-Belastung vorausgesagt worden, daher konnte es nicht schaden der Sonne etwas zu entkommen. Bereits auf dem Weg zum Museum freuten wir uns auf die klimatisierten Ausstellungsräume, die Kultur rückte plötzlich in den Hintergrund.

Aber natürlich besichtigten wir die Ausstellung zur asiatischen Frühgeschichte und insbesondere die archäologische Exhibition aus Japan sehr aufmerksam und interessiert.

Eines der Gebäude auf dem Gelände des National Museums in Tokio.
Wie bereits erwähnt, wurden Exponate aus ganz Asien ausgestellt. Ich glaube der nette Kerl stammte aus dem heutigen Kambodscha.
Ein Schafbock aus dem Stein geschält. In den Stein zeichnen kann ja jeder.
Ein Granatapfel mit Rubinfüllung. China etwa 18. Jh.
So sahen Richterroben in Korea im 19. Jh. aus.
Die japanische Antwort auf Michelangelos Fresko „Erschaffung Adams“.
Try walking in my shoes.
Samurais durften natürlich nicht fehlen. Hier ein gehörnter Hipster-Krieger.
Dämonische Holzmaske aus dem 14. Jh.

Ich kürze die Besichtigung mal etwas ab. Hier hast du eine Gesamtübersicht:

Nachdem die Mittagshitze wohltemperiert ausgesessen, ähm kulturell gefüllt wurde, wollten wir noch mehr über die japanische Gesellschaft erfahren. Wo geht das besser als in, nun sagen wir mal einer Spielhalle?

Dutzende Automaten mit vermeintlich dem gleichen Spiel standen in diversen Gängen aufgereiht. Gewinnen konnte man irgendwie nur kleine Murmeln?!

Nach diesem verwirrenden Erlebnis gab es noch ein bisschen was zu sehen für Technikfans.

Das ist die Startrampe der Rakete, die den ersten japanischen Satelliten ins All beförderte. Sowas steht einfach neben der Straße herum …

Zum Feierabend gab’s noch ein Statue des Erfinders der Verwirrtheit:

Konfusius.

Tag 55 führte uns raus aus der touristisch sehr überlaufenen Gegend, in einen ruhigeren Außenbezirk von Tokio. Schon nach etwa 2 Kilometern waren wir wieder die einzigen Ausländer.

Die Sonne meinte es heute mal wieder sehr gut mit uns, wir wurden erbarmungslos verwöhnt. Der erste Boxenstopp führte uns daher in eine klimatisiertes Restaurant. Die aufmerksame Wirtin drehte die Kühlung hoch auf Eisfachniveau, als wir durchgeschwitzt Platz nahmen. Leider war das etwas zu viel Temperaturunterschied, wir frohren uns die Ärsche ab. Man kann es uns auch einfach nicht recht machen … Die Pause fiel kürzer aus als üblich, wir mussten unsere Nasen putzen. Da wir wussten, dass es als unhöflich gilt, vor anderen zu schnauben, erledigten wir das heimlich vor dem Restaurant.

Eine der heutigen Fluss Überquerungen.
An was sollte ich denn noch alles denken?

Kurz darauf erblickten wir diverse Feuerwehrleute und ihre auf Hochglanz geputzten Fahrzeuge. Es sah aus wie eine großangelegte Übung. Leider konnten wir nur noch den Rückbau beobachten.

Die mobile Kommandozentrale.
Ein Unimog mit ohne Mercedes-Stern.
Falls es mal am Strand brennen sollte …

Später am Tag machten wir noch eine Wanderunterbrechung, diesmal in einem Park. Plötzlich glaubte ich ein Pfeifen zu hören und staunte nicht schlecht.

Da war eine extrem sympathische Sau.
Eine gelbe Taglilie.

Kurz darauf erreichten wir die heutige Unterkunft, zumindest wenn man Google Maps glauben schenkte. Wieder staunte ich, denn wir standen vor einer Kfz-Bude. Ich war noch nicht ganz fertig mit wundern, als uns ein Mann zu sich winkte. Er gab sich als Inhaber des Gästehauses zu erkennen, welche sich um die Ecke befand.

Ich hatte gerade einen Änderungsantrag bei Maps eingereicht, um nachfolgenden Wanderern die Suche zu erleichtern, als ich einen Rollkoffer auf der Straße klappern hörte. Ein Mann stand vor der Werkstatt und schien sich zu wundern. Ich rief ihm aus dem Zimmerfenster zu und lotste ihn zum richtigen Gebäude.

Am 56. Tag erwartete uns wieder eine kurze Bahnfahrt. Wir hatten bereits vor einiger Zeit zwei Nächte in einem Hotel nahe des berühmten Kneipenviertel „Golden Gai“ gebucht. Blöderweise hatten wir uns auf der Jagd nach bezahlbaren Unterkünften mittlerweile 30 Kilometer vom heutigen Ziel entfernt. Gut, das war keine unmögliche Strecke doch wir verspürten wenig Lust wieder in der prallen Sonne den Weg zurückzulaufen, den wir größtenteils bereits kannten.

Ein bisschen Fußweg hatten wir natürlich eingeplant. Alles in allem war es ein ruhiger Sonn(en)tag. Hier ein paar Eindrücke.

Du siehst, ich knüpfte thematisch am gestrigen Tag an.
Das bisher größte Shinto Tor (Torii) unserer Reise.
Ein riesiger Samurai.
Natürlich durften die stolzen Wächter nicht fehlen.

Am Abend wollten wir dann eintauchen ins Tokioter Nachtleben. Das geht natürlich nicht mit leerem Magen, also machten wir uns zunächst auf die Suche nach einem Restaurant. Wir wählten heute mal die chinesische Küche und wurden schnell fündig. Uns erwartete ein sehr interessantes Abendessen. Nachdem uns eine Kellnerin in einer Mischung aus Mandarin und Japanisch erklärte, dass wir zunächst aus drei verschiedenen Suppen wählen sollten und dazu dann verschiedenste Zutaten aussuchen konnten, die wir selbst in die Suppe werfen konnten. Klar soweit? Das Konzept hatte ich schon mal in Thailand gesehen und probiert. Nachdem wir, die am wenigsten scharfe Suppe bestellt hatten, ging es los mit den Zutaten. Leider ohne Lesebrillen, auf den winzigen Fotos der Karte war absolut nichts zu erkennen. Also bestellte im Prinzip die Kellnerin für uns und machte einen guten Job.

Kurz darauf waren wir etwas sprachlos. Es wurde ein riesiger Topf auf die Herdplatte im Tisch gestellt. Ich schätzte den Durchmesser auf mindestens 50 vielleicht auch 60 cm. Im Topf befand sich eine Art weiterer Topf, beide waren mit unterschiedlichen Suppenfonds gefüllt. Die Bedienung erwähnte noch, dass sich in der Mitte die unscharfe Suppe befände. Als der Rest der Bestellung eintrudelte, kippten wir alles in den inneren Topf. Während der Garzeit probierten wir die Suppe im äußeren Rand. Ich hatte nur die Spitze eines Stäbchens eingetaucht, trotzdem lief augenblicklich die Nase und es wollte nicht aufhören zu brennen. Wer kocht denn sowas? Die Kellnerinnen tuschelten bereits, konnten sich nun nicht mehr zurückhalten und lachten kurz auf. Auch der Koch beobachtete uns nun sehr neugierig. Offensichtlich verirrten sich nur selten Langnasen in seine Küche. Allerdings musste ich sagen, wenn man die Finger vom Rand lässt, war es eigentlich sogar lecker.

Wir wollten zumindest einen kleinen Rest unserer Würde bewahren und machten keine Fotos. Daher hier eins aus dem „world wide web“. Der Topf sah ähnlich aus, unsere Gesichter allerdings nicht.

Nachdem wir das Chinarestaurant genügend unterhalten hatten, ging es zum „Golden Gai“. Dort befinden sich etwa 200 Micro Bars mit 5 bis 8 Sitzplätzen. Im Internet sah das interessant aus und schien ein guter Ort zu sein, mit Japanern ins Gespräch zu kommen. Interessant war es durchaus, einheimische Gäste suchten wir allerdings vergeblich. So musste der japanische Barkeeper herhalten. Wir plauderten mit ihm über’s Reisen, Japan, Deutschland und Musik, ein richtig schönes Kneipengespräch.

Nebenbei liefen Musikvideos, er schien ein Fan von Green Day zu sein. Nach dem zweiten Bier durften wir auch Musikwünsche äußern. Ich wählte einen Song von Social Distortion, die kannte er nicht und schrieb unverzüglich einem Freund von seiner Neuentdeckung.

Abgesehen von einem Südafrikaner, kamen wir nicht ins Gespräch mit anderen Gästen. Der Typ war mir sympathisch, weil er versuchte etwas Japanisch zu sprechen. Das hatte ich bei anderen Ausländern, zumeist Amerikanern, noch nicht gehört.

Ebenfalls ein „geborgtes“ Foto. Das Kneipenviertel am Tage von oben. Solche Virtel gab es überall in Tokio vor dem Wirtschaftswachstum in der zweiten Hälfte des 20. Jh.
Ein verwackelter Schnappschuss gegen 19 Uhr, da war noch nicht viel los.

Auch wenn der Aufenthalt in der Kneipe recht kurzweilig war, konnten wir unsere Enttäuschung vom viel gerühmten Bar Viertel nicht verbergen.