„Zickzack-Tag“ tauften wir den 37ten auf unserer Wanderung, die Erklärung folgt in Kürze.

Unserem Reiseplan liegen übrigens hoch komplexe Berechnungen zugrunde. Die vor uns liegende Wegstrecke wird in Relation mit der verbleibenden Zeit gebracht, alles wird dann mit der meteorologischen Unbekannten ins Verhältnis gesetzt und … aber ich will dich nicht langweilen. Ein außenstehender Laie würde vielleicht behaupten, wir suchen einfach günstige Unterkünfte und fahren dann dorthin: So ein Quatsch!

Gestern fand ich eine günstige Unterkunft in Manazuru, also fuhren wir heute dorthin. Das Guesthouse war wieder nicht vorab buchbar, zumindest nicht für mich und mein Langnasen Handy. Wir beschlossen daher vom Bahnhof aus hinzulaufen und vor Ort ein Zimmer zu buchen. Als wir gegen Mittag nach einem kleinen Spaziergang und etwa 80 Höhenmetern über eine enge Steintreppe ankamen, fanden wir die Unterkunft verlassen vor. Die Eingangstür war unverschlossen aber es befanden sich offensichtlich keine Mitarbeiter im Haus. Wir vermuteten, dass die Angestellten erst gegen 15 Uhr eintrudeln würden, da dann der Check in beginnt. Am Tresen hing ein Zettel mit Telefonnummer darauf, wie du weißt, war das keine Option für uns.

Ich suchte online ein Café, in welchem wir die nächsten drei Stunden verbringen wollten und wurde fündig. Blöderweise mussten wir dazu wieder runter vom Berg und an die Küste. Das Café war eigentlich eine Kneipe. Volltreffer, wir fühlten uns sofort pudelwohl. Es gab Pizza, Salat und frisch gezapftes Pils. Eine freundliche Hutzel-Omi schmiss den Laden und hatte alles im Griff. Die Zeit verstrich wie im Fluge, wir bezahlten und wollten gehen. Omi’s Plan sah anders aus, sie wollte sich noch meine Tätowierungen anschauen und anfassen, erst dann durften wir gehen. Sie brachte uns zur Türe und winkte zum Abschied noch eine kurze Weile hinterher. Ich werde diese japanische Freundlichkeit wirklich sehr vermissen!

Nun wieder 80 Meter in die Höhe, nur um festzustellen, dass die Unterkunft immer noch verlassen war. Ein neuer Plan musste her. Es gab ein ähnlich passendes Hotel im Dörfchen, ebenfalls online nicht buchbar und leider am Hafen. Also wieder runter mit uns und den Rucksäcken. Was soll ich sagen, das Hotel war ausgebucht. Die hilfsbereite Dame am Empfang konnte aber mit einer wichtigen Information punkten, denn sie wusste, dass sich in der Nähe eine Touristeninformation befindet. Diese suchten wir auf und erklärten kurz unser Problem. Nach nur einem Telefonat war die Sache geritzt, man kennt sich offensichtlich in diesem Städtchen. Der freundliche Touristeninformatiker erklärte uns, dass nun Hotelpersonal auf unsere Ankunft auf dem Berg warten würde. Unser dritter Aufstieg war von Erfolg gekrönt, wir konnten ein Zimmer beziehen und später sogar duschen.

Der Ausblick vom Balkon. Endlich Feierabend von den schweißtreibenden Höhenmetern und dem ganzen Zickzack des heutigen Tages.

Tag 38: Ich mache es kurz, wir fuhren nach Hiratsuka, verbrachten einen Tag am Meer und bezogen ein Hotelzimmer kurz bevor es anfing zu regnen.

Die Flaniermeile Hiratsukas. Vermutlich gab es irgendwo etwas Spannenderes zu sehen und genau dort waren alle, also außer uns.
Das ist die Schnellstraße 134. Der übertrieben breite Fußweg ist leider nicht überall vorhanden, sonst würden wir definitiv komplett nach Tokio laufen.
Ich hatte keine Ahnung wie das funktioniert aber auch keinen Hunger und es daher nicht ausprobiert.
Eine bildhafte Situationsbeschreibung zur Supermarkt-Problematik. Der Motor lief natürlich.
Das war, wer hätte es erraten? Der Strand.
Zwei Fischerboote lieferten sich ein Rennen.
Ein Strandbuggy.
Dieses kleine Wäldchen durften wir nicht betreten, da ausgerechnet heute Chemikalien zur Schädlingsvernichtung gesprüht worden waren. Aber das kannst du ja selbst lesen auf dem Schild…
Somit zurück ins „Städte’le hinein“.
Ein Tempel auf dem Weg.
In Japan gibt es Kebab. Mit dieser Bombensensation verabschiede ich mich für heute (und hoffe, dass Jeremy Clarkson den Satz nicht patentieren lassen hat).

Tag 39: Heute war endlich mal wieder wandern angesagt. Nur etwa 17 km aber es ging fast den gesamten Tag an der Pazifikküste entlang. Wir freuten uns schon sehr darauf mal wieder die Knochen bewegen zu können. Anfänglich war es noch recht schattig, später lächelte uns aber hin und wieder die Sonne an.

Das ist ein japanisches Taxi, es erinnerte mich an einen Bösewicht aus irgendeinem James Bond Film. Wir waren übrigens bereits recht nahe an Tokio dran, leider weiß ich nicht mehr wie weit…
Da hat der Marketing Berater aber ganze Arbeit geleistet. Stell dir das Schild mal mit eingeschalteter Beleuchtung vor…

So richtig viel kann ich gar nicht berichten vom heutigen Tag. Wir hatten wieder freundliche Begegnungen und ne Menge Landschaft. In den Pausen schauten wir auf den Pazifik und tranken Bier. Das sollte eigentlich auch genügen, heute war immerhin Herrentag (so bezeichnen alle kinderlosen Männer den Vatertag und alle Atheisten Christi Himmelfahrt).

Um den heutigen Tag aber noch interessanter für dich zu gestalten, habe ich versucht herauszufinden welche Vögel japanisches Omelett mögen. Ich sparte mir daher einige Bissen vom Munde ab und startete den Testballon auf einer kleinen Wiese neben unserer Sitzgelegenheit. Innerhalb von 10 Minuten konnte ich die nachfolgenden Fotos schießen. Falls sie nicht mehr zu sehen sein sollten, wird mir vermutlich der National Geographic die Rechte abgekauft haben.

Klar, Feldsperlinge waren die ersten Gäste.
Hier ein Actionbild, allerdings beim Erstversuch mit Pizzaresten.
Weißwangenstare scheinen Omeletts nicht sonderlich zu mögen. Dieser hier fiel fast um vor lauter Abscheu.
Interesse war vorhanden.
Er war auch interessiert, wurde aber der kurzen Leine gehalten.
„Meins…“
Der Schwarzmilan kam zu spät zur Party und war sauer.
Hoffentlich konnte der Kolkrabe trotz des vollen Bauchs noch entkommen…

Auf dem Weg nach Fujisawa, unserem heutigen Tagesziel, kamen wir durch das Städtchen Chigasaki. Vor dessen Küste gibt es ein paar Mini Inseln und auf einer von ihnen steht das Maskottchen der kleinen Stadt. Es ist ein Felsen der eine gewisse Ähnlichkeit mit der Rückenflosse vom Hai aufweist.

Der Eboshi Felsen. Außerdem ist auf dem Foto gut zu erkennen wie der Begriff „Vogel-V“ zustande kam.

Dann gab es noch einen Spaziergang im Park. Eigentlich war es sogar ein Vergnügungspark.

Die Lebensmüden rasten mittels eigener Beinkraft mit etwa 3 km/h in schwindelerregender Höhe über die Schienen.

Zum Ende des Tages noch ein surfender Hund:

Weil ich gestern Abend nicht fertig geworden bin, folgt nun noch der 40igste Tag unserer Reise:

Für heute wurde gutes Wetter vorausgesagt, außerdem wollten wir nicht schon wieder mit der Bahn fahren, daher blieben wir in Fujisawa und besuchten eine Insel.

Nämlich jene hier: Enoshima Island.

Schnell wurde klar, dass es eine sehr beliebte Insel ist. Wir nahmen es sportlich und betrachteten das Gewusel als persönliches Trainingscamp für Tokio.

Allerdings musste ich zugeben, dass die Insel einiges zu bieten hatte. Von daher konnte ich den Andrang nachvollziehen.

Ein Torii, das sind die beeindruckenden Bauwerke der Shintō-Religion, welche den Eingang zum Sakralen anzeigen. Wir sahen viele Menschen, die sich vor oder nach dem Durchschreiten verbeugten.
Wiedermal ein Tempelwächter.
Natürlich auch Souvenirläden. Toll, wenn man seinen Liebsten beispielsweise ein Stachelkrebsgehäuse mitbringen möchte.
Wo es Tempelwächter gibt, sind Tempel oft nicht weit.
Es gab auch einen Aussichtsturm.
Hier die dazugehörige Aussicht.
Über diese Brücke gelangt man trockenen Fußes auf die, na ja Insel. Klingt ja auch besser als etwa „Landzunge, die mit Gummistiefeln erreicht werden könnte“.
Der mächtige Fuji San und davor der Eboshi Fels.

Nachdem wir den höchsten Punkt der „na ja Insel“ ausgiebig erkundeten, zog es uns in die Tiefe. Keine Angst, wir nutzen dazu natürlich die Treppe.

Unter der Insel befindet sich eine Höhle.
Dort wohnt ein Drache, der fauchte wenn man vor ihm in die Hände klatschte.
Ansonsten waren noch einige Steingötzen zu sehen.
Es war übrigens sehr eng in der Höhle und natürlich wollte Chuck mit auf die Insel.

Das war es auch schon vom heutigen Tag. Zum Schluss noch ein kleiner Tipp für Reisende in Japan: Selbst wenn eine englischsprachige Speisekarte gereicht wird, sollte man der Übersetzung nicht blindlings vertrauen.

Ich dachte eine Pizza Gorgonzola bestellt gehabt zu haben.
Keine Ahnung was es hier zu futtern gab. Omelett war es jedenfalls nicht.

Das war es für heute, jetzt muss ich in die Falle. N8i.